Buchkritiken

5/5

Sigrid Wendel, Niederkrüchten 

„Das mir von einem Freund ans Herz gelegte Buch „Que(E)rflug“habe ich anfangs mit Skepsis, später jedoch mit großem Eifer gelesen; ich konnte es kaum noch aus der Hand legen. Und dies aus zweierlei Gründen: zum Einen, weil ich die Art der erzählenden Form liebe (hier natürlich- vom Autor selbst) und zum Anderen wegen der ganz besonders sorgfältigen Wahl der Worte, der hervorragenden, packenden Art zu schreiben –und zu fesseln. Samuel Coenigsberg kehrt Levy Bergmans Innerstes nach außen und fasziniert dabei mit seinem schriftstellerischen Talent.

Einmal angefangen zu lesen… kann man nicht wieder aufhören.

Selbst das Thema, das mich weder betrifft noch dem ich ein größeres Interesse bislang entgegengebracht hatte, brachte mir doch die Verzweiflung nah, in der sich der Protagonist und wohl jeder andere homosexuelle Vater befinden kann.

Hier Levys existentieller Kampf einerseits mit der eigenen Natur und Identität und andererseits mit den gesellschaftlichen Erwartungen, denen er gerecht werden wollte … und scheiterte, letztendlich, um sich selbst und sein Glück zu finden. Doch bis dahin sollte es langer Weg werden.

Nochmal: Traumhaft und einfühlsam beschrieben!!

Ein Buch für Homos, v.a. für schwule Väter und ihre Familien, aber auch für Heteros gleichermaßen.

Sehr empfehlenswert!!!“

4.5/5

Grzegorz Szafranski, Berlin

„Ich habe das Buch nach Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis gekauft. Als immer schon rein homosexueller Mann war ich vorher noch nie mit dem Thema Outing eines schwulen Vaters und seiner Lebensgeschichte konfrontiert gewesen. Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass die Thematik immer noch brandaktuell ist und es durchaus auch heute noch genügend Stigmatisierung in diesem Bereich gibt, ganz zu Unrecht, wie ich mittlerweile persönlich Bekanntschaften mit „solchen“ Vätern gemacht habe.

Das Buch ist interessant und lehrreich, besonders wenn man bedenkt, dass Samuel Coenigsberg für sein Werk sehr gut recherchiert haben muss, was Zeitgeschichte, Kultur und Geschichte des Judentums und die Gesetzgebung angeht. Als Jude und als Sohn einer Juristin fühlte ich mich sehr angesprochen. Besonders schön fand und außergewöhnlich ich den Aufbau der Geschichte anhand des Lebenszyklus eines Schmetterlings und die dazu eingestreuten Zeichnungen und Zitate. Als Pole machte mir teilweise die ausgewählte Sprache und teils der Satzbau ein wenig Probleme, aber ich habe langsam gelesen, so dass ich am Ende auch die Symbolik und die Dinge „zwischen den zeilen“ verstand.

Die Geschichte Levy Bergmans könnte die eines jeden ambivalenten, gleichgeschlechtlich Empfindenden, sein, wenn auch die Traumata, die hier Herr Coenigsberg kompromisslos schildert, teils sehr nahe gehen und dadurch sich das Buch nicht einfach mal so runterlesen lässt. Es schauderte mich teilweise, und manchmal war ich fassunglos und auch wütend über Levy Bergmann selbst.. Mich hat auch die Auswirkung des Outings auf die gesamte Familie des Protagonisten beschäftigt, und ich konnte absolut die Traurigkeit aller Beteiligten verstehen. Zum Ende hin scheint eine positive Wende zu sein, die der Zielgruppe, also den schwulen (ungeouteten) Vätern und deren Partner*innen ganz sicher Mut macht, aber da hört auch schon fast die Geschichte auf. Allerdings wünschte ich mir, dass bald die angekündigte Fortsetzung erfolgt, die der Autor in seinem Epilog verspricht, weil ich hoffe, dass hier alles ein gutes Ende finden wird. Alles in allem ein anspruchsvolles Buch des genre queere Literatur!

Bitte mehr davon, Samuel Coenigsberg.“ 

4.8/5

Selma Abel, Berlin

„Selten hat ein Buch so viele und so viele widersprüchliche Gefühle in mir ausgelöst: von Ekel, über Entsetzen, Scham, Ohnmacht, bis hin zum Mitgefühl, Zuversicht und Verbundenheit. Das Buch ist ein Muss und für einen jeden Menschen (nicht nur homosexuellen), dessen Weg zur erfüllten Selbstidentität schwierig und holprig war, weil es Zuversicht und Kraft schenkt!“